
12/04/2026
Zwischen Gedankenlesen und klaren Fragen
Wir sitzen beim Abendessen. Der Tag war lang, und wir haben beide nicht die beste Laune. Es gibt Hähnchen mit Kartoffeln und Spargel, dazu einen Salat. Während es mir schmeckt, verzieht mein Mann das Gesicht. „Wahrscheinlich mag er mein Essen nicht“, denke ich. Am Tisch breitet sich Stille aus und meine Stimmung sinkt immer tiefer. Warum mache ich mir überhaupt die Mühe, wenn es ihm doch nicht schmeckt? Und überhaupt – er könnte auch mal mehr helfen. Schließlich war mein Tag genauso anstrengend wie seiner. Mit jedem dieser Gedanken verfinstert sich meine Miene, und ich spüre langsam Ärger und Wut in mir hochkriechen. Eigentlich bin ich kurz davor, einfach aufzustehen. Aber irgendwie schaffe ich es doch einmal tief durchzuatmen und diese eine Frage zu stellen.
Wie eine einfache Frage Klärung schafft
„Und, wie schmeckt es dir?“, frage ich wie beiläufig. Mein Mann blickt auf. „Ganz gut.“ Ich runzle die Stirn. „Warum machst du dann so ein Gesicht? “ Er sieht mich an. „Was meinst du?“ Ich lasse die Schultern sinken und setze meinen „Tu-doch-nicht-so“-Blick auf. „Du schaust ziemlich zornig. “ Ich ziehe die Augenbrauen tief nach unten, um ihn nachzuahmen. Da entspannt sich seine Stirn, die Augen weiten sich. „Ach, dieser Typ von der Agentur! Der geht mir einfach nur auf die Nerven. Du glaubst nicht, was der sich heute wieder geleistet hat. So ein Idiot!“, platzt es aus ihm heraus. „Ach, das ist es“, denke ich. Es geht gar nicht ums Essen, es geht um die Arbeit.
Die Kunst der Kommunikation: Gedanken lesen oder nachfragen?
Oft genug passiert es mir, dass ich meine, die Gedanken meines Mannes direkt von seiner Stirn ablesen zu können. Ob er gut oder schlecht gelaunt ist, ob ihn etwas bedrückt – alles scheint sich in seinem Gesicht zu spiegeln. Und doch weiß oft genug nicht wirklich, was wirklich in ihm vorgeht. Und statt zu fragen, was ihn beschäftigt, rate ich ins Blaue hinein. Meistens liege ich damit komplett falsch.
Besonders nach einem langen, anstrengenden Tag neige ich dazu, seine Stirnfalten als Problem zu deuten. Abends, am Esstisch, passiert es oft: Ich erzähle etwas, warte auf seine Reaktion – und sehe nur diese Furchen. Ohne nachzufragen, denke ich: „Warum hört er mir denn schon wieder nicht zu? Langweile ich ihn mit meiner Geschichte? “ Ich reagiere genervt, stehe abrupt auf und stoße dabei meist etwas um – nicht immer absichtlich. Mein Mann reagiert ebenfalls genervt und zack, haben wir den Salat.
Von Annahmen zu Fragen: Der Schlüssel für eine bessere Verständigung
Dabei mache ich immer wieder denselben Fehler: Statt zu fragen, erfinde ich Erklärungen und stelle Vermutungen an. Dabei wäre es so einfach. Ein einfacher Satz würde genügen: „Was denkst du gerade? “ Seine Antwort würde mehr Klarheit bringen als jede Vermutung.
Mein Rat für heute: Fragen Sie, bevor Sie sich von Annahmen in die Irre führen lassen. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund, bleiben Sie neugierig und vor allem, bleiben Sie gelassen.
Ihre Diana Soti
