Mein 'du-hast-ja-recht,-aber-es-ist-so-schwer-Gesicht
22/03/2026

 

Zum Schreiben fand ich erst vor drei, vier Jahren. Ein Bücherwurm bin ich dagegen fast schon mein ganzes Leben. Ich liebe es, meine Bücher mit Anmerkungen zu übersähen oder gute Formulierungen sofort anzustreichen. Irgendwann begann ich dann, diese Ideen in kleine Notizbücher zu übertragen. Dann kamen Post-its und Karteikarten hinzu. Schließlich entdeckte ich eine App – eine geniale Idee. Es gab einfach so viel Festzuhalten. Jetzt musste ich die Notizen eigentlich nur noch aufrufen und dann für meine Texte oder Geschichten nutzen. Doch ich kam nicht in die Gänge. Stattdessen sammelte ich munter weiter. Irgendwann würde mich schon die Muse küssen. Allerdings kam ich dabei nie über ein paar Sätze hinaus. Lange und gute Texte? Völlige Fehlanzeige.

Ein erster Versuch

 

Dann startete ich eine Webseite – ein guter Grund, eigene Texte zu schreiben. Für ein paar Monate zogen Kreativität und Produktivität bei mir ein. Ich begann einen Blog, schrieb zunächst halbwegs regelmäßig, setzte sogar einen Newsletter auf. Doch nach vier, fünf Texten und zwei Newslettern war auch schon wieder Schluss. Die Kreativität zog wieder aus, und Ablenkungen und Selbstzweifel zogen ein. Natürlich erwartete ich nicht, mit ein paar Texten bei Google auf Platz 1 zu landen. Aber gar keine Rückmeldung? Das frustrierte doch. Und statt dranzubleiben, stürzte ich mich wieder auf das, was ich gut kann: Lesen. Ich verschlang alles übers Schreiben – Bücher, Kurse, alles, was neue Einsichten versprach. Nur das Schreiben blieb auf der Strecke. Irgendwann scrollte ich durch meine Notizen. Die Liste war beeindruckend gewachsen. Wie sollte ich all das in Texte verwandeln? Der Vorrat würde locker für 20 Jahre reichen.

Kontinuität war nicht meine Stärke

 

Eines Abends erzählte ich einer Freundin von meinen Schreibambitionen. Ich fühlte mich noch unsicher, mich selbst eine Schreibende zu nennen – es waren ja nur drei, vier Texte. Doch an diesem Abend brach es – noch etwas schüchtern – aus mir heraus. Die Freundin, verständnisvoll und neugierig, wollte doch glatt wissen, wo sie etwas von mir lesen könne. Ich war fast peinlich berührt. Wollte da jemand tatsächlich meine Sachen lesen? Natürlich schrieb ich, damit jemand meine Texte liest. Aber jetzt, so konkret? Das war ein komisches Gefühl. Fast hätte ich einen Rückzieher gemacht, nannte ihr dann aber doch die Seite. Ihre Rückmeldung war (Gott sei Dank) positiv.

 

Von der Sammlung zur Idee - ein langer Weg

Von der Sammlung zur Idee – wie ein ehrlicher Ratschlag mir zu mehr Kontinuität verhalf.


„Wo bleibt der nächste Post?“

 

Drei, vier Wochen später hatte ich gerade mal einen neuen Artikel veröffentlicht. Bei einem Essen sprach mich die Freundin darauf an: „Was macht denn dein Blog? Ich habe gar nichts Neues mehr von dir gelesen.“ Ich zog die Schultern hoch. „Deine Texte sind gut, aber du brauchst mehr Kontinuität.“ Jetzt setzte ich mein typisches „Ja, du hast recht, aber es ist so schwer“-Gesicht auf. Doch der Satz blieb hängen. Einige Wochen später, als er sich tief in mein Bewusstsein gegraben hatte, platzte der Knoten. Ich machte das Schreiben zur Priorität. Der Sonntag wurde mein Schreibtag, mit dem Ziel, mindestens eine Geschichte zu verfassen. Unter der Woche schrieb ich nicht nur Notizen, sondern gleich grobe Entwürfe. Die konnte ich dann sonntags gut weiterentwickeln oder sogar vollenden.


Die besten Geschichten schreibt das Leben

 

Durch eine Bemerkung in einem meiner Kurse erkannte ich schließlich: Ich erzähle am besten, wenn ich aus meinen eigenen Erfahrungen schöpfe. Das war der Wendepunkt. Ich musste nicht unzählige Ideen sammeln. Meine Erlebnisse und der Umgang mit Hindernissen machten die Geschichten besonders. Ich hatte meine Stimme gefunden – zumindest die ersten Töne. Jetzt machte mir das Schreiben tatsächlich auch Spaß. Ich schob fast alles andere beiseite, um Zeit zum Schreiben zu finden.


Die Quintessenz – oder: Was will ich damit sagen?

 

Fangen Sie an. Bleiben Sie dran. Werden Sie aktiv. Finden Sie einen Weg, der Ihnen Freude bereitet. Für meinen ersten Text brauchte ich drei Monate. Mit einer Mischung aus Frust und Neugier setzte ich mich immer wieder daran. Lassen Sie sich also nicht entmutigen. Geben Sie sich Zeit. Finden Sie Ihre Stimme. Mir hilft dabei eine Mischung aus liebevoller Geduld und gelegentlicher Strenge.

Suchen Sie sich Menschen, die Ihnen ehrliche Ratschläge geben – und Sie auch mal antreiben. Die Sie daran erinnern, weiterzumachen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund, neugierig und vor allem gelassen.
Ihre Diana Soti

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