Eine Tüte Gummibärchen Oder: wie ich mich sagen höre: "Das kann ich nicht!"
28/06/2026

Oder: Wie ich mich sagen höre: „Das kann ich nicht!“

Manchmal gibt es diesen Moment, da höre ich mich Dinge selber laut sagen. Und neulich, als ich mal wieder so durch die Wohnung tigere, höre ich mich diesen Satz sagen. „Das kann ich nicht.“ Für mehr Kontext: Ich hatte leider mal wieder eine halbe Tüte Gummibärchen gegessen. Die Guten mit Joghurt, also die, die nicht ganz so ungesund sind, glaube ich zumindest immer. Und doch plagte mich mein schlechtes Gewissen, weil ich ja eigentlich nur ein oder zwei Gummibärchen essen wollte. Und jetzt war es doch wieder die halbe Tüte geworden.

Und so tigere ich mit meinem schlechten Gewissen durch die Wohnung. Wahrscheinlich zur Ablenkung. Ich wandere vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer und dann ins Bad. Auf dem ganzen Weg laufen meine Gedanken Hand in Hand mit meinem schlechten Gewissen durch meinen Kopf. „Du wolltest doch weniger Süßigkeiten essen“, höre ich mein Gewissen sagen. „Ja, aber die sind so lecker“, sagt die Verteidigung. Und diverse andere Gedanken gesellten sich noch dazu. Schließlich gipfelt die Unterhaltung in dem einen Satz: „Du solltest gar keine Gummibärchen mehr essen und erst recht keine mehr kaufen.“

In diesem Moment stehe ich am Waschbecken und schaue in den Spiegel. Ich sage laut und doch in Gedanken versunken: „Das kann ich nicht.“ Für einen Moment stocke ich und schaue verwundert mein Spiegelbild an. Habe ich das gerade laut gesagt? Ein leichtes Lächeln huscht mir über das Gesicht. Denn witzigerweise ist „Das kann ich nicht.“ genau der Satz, den ich meinen Seminar-Teilnehmern immer als stressverstärkenden Beispielsatz anbringe.

Stressverstärkenden? Ja, der Satz ist eine Art mentale Sackgasse. Und er wirkt auch genauso. Mit diesem Satz stecken wir fest. Wir lassen die Schultern und den Kopf hängen und ein Ausweg ist weit und breit nicht in Sicht. Dieser Satz wirkt wie eine mentale Blockade. Für den Moment schaue ich mein Spiegelbild entmutigt an. Ich brauche einen Moment, um aus meinem Hinterkopf die passende Strategie auszubuddeln. Und die ist tatsächlich ganz einfach.

Ich kann diese mentale Blockade durch ein kleines Wörtchen auflösen. In meinen Seminaren sage ich dann immer, dass mit einem Wort, wie aus dem Nichts, eine kleine Seitengasse erscheint, ein Ausweg. Es handelt sich dabei um das kleine Wörtchen „noch“. Und damit verändert sich die Blockade zu einer Möglichkeit. Aus: „Das kann ich nicht.“ wird: „Das kann ich noch nicht.“

Ich schaue wieder in den Spiegel. Diesmal aber bewusst und direkt. Ich schenke mir selber einen verständnisvollen Blick – der Kopf halb seitlich, die Augenbrauen etwas nach oben gezogen und ein Lächeln auf den Lippen. „My darling“, sage ich, „du kannst es noch nicht.“

Etwas verlegen, aber doch zufrieden, nicke ich meinem Spiegelbild zu. Denn vielleicht kann ich es im Moment tatsächlich noch nicht. Der Gedanke fühlt sich gut an. Der „noch nicht“-Satz eröffnet mir einen Raum der Möglichkeiten; ganz ohne Selbstabwertung und Vorwürfe. Denn auch wenn ich heute dieser Tüte Gummibärchen nicht widerstehen konnte, bin ich doch wertvoll. Auch mit all meinen Schwächen bin ich ein liebenswerter und toller Mensch.

Was ich damit sagen möchte: Vielleicht hören Sie sich auch manchmal diesen „Das kann ich nicht“-Satz sagen. Und wenn dem so ist, dann bauen Sie das nächste Mal das Wörtchen „noch“ ein. Und in der Zwischenzeit seien Sie wohlwollend und liebevoll zu sich selbst.

In diesem Sinne. Bleiben Sie gesund, neugierig und vor allen Dingen gelassen.

Ihre Diana Soti

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